Gericht kippt Wannsee-Flugrouten
(Quelle: rbb aktuell, von Rainer Lechner)
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat am 23.01.13 die Flugrouten des künftigen Flughafens BER über den Wannsee vorerst gekippt.
Das Gericht führte zur Begründung das Sicherheits-Risiko bei einem möglichen Flugzeugabsturz auf den atomaren Forschungs-Reaktor des Helmholtz-Zentrums in Berlin-Wannsee an. Diese Möglichkeit sei bei der Ausarbeitung der Route nicht ausreichend geprüft worden. (...)
rbb Artikel: http://www.rbb-online.de/rbbaktuell/...
Deutschlands gefährlichster Atomreaktor steht in Berlin
Seit Juni 2012 liegt das Ergebnis der von der Reaktorsicherheitskommission (RSK) durchgeführten Sicherheitsüberprüfung der drei noch verbliebenen sogenannten Forschungsreaktoren in Deutschland vor. Das Ergebnis ist für die Berliner Bevölkerung alarmierend. Doch der Berliner Senat und die Verwaltung glänzen durch Untätigkeit.
Die RSK ist ein vom Bundesumweltministerium berufenes, zwölfköpfiges Beratergremium, das so zusammengesetzt ist, "dass die gesamte Bandbreite der nach dem Stand von Wissenschaft und Technik vertretbaren Anschauungen repräsentiert ist."
Diese Sicherheitsüberprüfung, teilweise auch "Stresstest" genannt, war nach den Ereignissen in Fukushima von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages beauftragt worden. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse sind für den Berliner Reaktor katastrophal zu nennen und sie sind für den Berliner Senat und die Verwaltung ein Schlag ins Gesicht.
Schneidet der Bayrische Reaktor hinsichtlich seiner Robustheit und der getroffenen Vorsorgemaßnahmen vergleichsweise gut ab, ist Berlin das absolute Schlusslicht. Wir haben also nicht nur keinen funktionsfähigen Großflughafen, keine funktionierende S-Bahn sondern auch mit deutlichem Abstand den gefährlichsten Atomreaktor der Bundesrepublik Deutschland in unserem Stadtgebiet.
Atommüll-Transport durch Berlin und Brandenburg
Vom Gelände des HZB sind in einer Nacht-und Nebel-Aktion am 24.07.2012 abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktor BER II zur Verschiffung nach Nordenham transportiert worden. Der Transport erfolgte auf der Straße über Berliner Stadtgebiet und ging weiter durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt in den niedersächsischen Hafen Nordenham. Spätestens dort wartete weiteres Helmholtz-Material (abgebrannte Brennelemente aus Geesthacht) zur Einschiffung. Besonders prekär: in Braunschweig wurde als Beiladung Plutonium mitgenommen.
Die "Oceanic Pintail" hat lediglich eine Woche später ein einziges Ortungssignal auf Höhe der Azoren von sich gegeben und ist für zivile Nachforschungen seitdem nicht mehr erreichbar.
Warum muss der Forschungsreaktor in Wannsee stillgelegt werden?
Der Reaktor (Baujahr 1973) ist technisch überholt und weist große Mängel auf. 1989 wurde er erweitert und modernisiert, allerdings nicht nach dem vorgeschriebenen "neuesten Stand von Wissenschaft und Technik". Im Forschungsreaktor werden mittels Kernspaltung Neutronen gewonnen, mit deren Hilfe u. a. Materialforschung betrieben wird. Die Parteien und die Betreiberfirma, die Helmholtzgesellschaft Berlin (HZB) verschweigen, dass es Alternativen gibt. Neutronen können heute ohne Kernspaltung mittels Spallationsquellen gewonnen werden. Entsprechende Anlagen gibt es in England und der Schweiz.


