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Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam

Aus dem Briefwechsel mit dem FUTURIUM zur „Unausgewogenen Darstellung zur Atomkraft“

Doch wie kam es dazu?

Das FUTURIUM versucht seine Besucher in einer sehr komplexen Art mit gesellschaftlichen, ethischen, technischen und wissenschaftlichen Fragen der Gegenwart in Bezug auf die Zukunft zu konfrontieren und damit Denkanstöße zu geben und Wissen zu vermitteln. Das ist sehr zu unterstützen – vielen Dank!

Bei einem Besuch im Februar hatte ich jedoch das Themenfeld „Atomkraft“ für stark überarbeitungswürdig befunden. Aus diesem Grund schrieb ich am 23.03.20 an das FUTURIUM und machte darin unter anderem darauf aufmerksam, dass nur am Modell des ausgestellten Flüssigsalzreaktors in dem Herkunftsnachweis das Wort „Schenkung“ zu finden ist. Wie kann es sein, dass sich die Firma "Flibe Energy Inc.", die mit ihren Atomreaktoren einmal sehr viel Geld verdienen will, mit dieser Schenkung des Modells des Flüssigsalzreaktorseine eine repräsentative Dauer-Werbefläche in Deutschland bekommen hat? Ich bat aus Transparenzgründen darum, dass diese Firmenwerbung aus der Ausstellung zu entfernen ist, denn man könnte man dies mit einer möglichen illegalen Zahlung an einen Mitarbeiter im FUTURIUM in Verbindung bringen.

In der Antwort des FUTURIUMs vom 04.03.20 nahm man auf die Schenkung keinen Bezug und schrieb:

 

„Ihre Kritik an der Darstellungsform der neuen Reaktoren in der Ausstellung lässt sich verständlich nachvollziehen, offenbart allerdings auch, wie stark Interpretationen Teil der Auseinandersetzung in Ausstellungen sind. Denn auf konzeptioneller Seite haben wir uns für diese Aufbereitung entschieden, um eben zu verdeutlichen, dass es „noch nichts zu zeigen“ gibt. Denn gerade technische Entwürfe der Reaktoren hätten aus unserer Sicht suggeriert, dass die Machbarkeit weiter gediehen ist als dies real zutrifft. Diese Unschärfen in der Interpretation lassen sich natürlich – zu unserem Bedauern – nicht immer vermeiden. Klarer lässt sich allerdings auf Ihre Anmerkung zum Modell Bezug nehmen: Die Kennzeichnung haben wir gerade aus Gründen der Transparenz sichtbar gemacht. Zumal der Herkunftsnachweis eines Objekts zu den musealen Standards gehört. Für uns ist das Modell lediglich ein Medium zur Erörterung von Inhalten – wie wir es zum Beispiel auch bei den Modellen zukünftiger Formen der Erneuerbaren Energien machen.

Gerade auch ob der zahlreichen Fallstricke bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema haben wir hier – wie bei allen Themen der Ausstellung – Rücksprache mit wissenschaftlichen Expert*innen gehalten. In diesem Fall haben wir einen Experten des Öko-Instituts e.V. konsultiert, um uns inhaltlich abzusichern.“

Da in der Antwort nicht auf die „Schenkung“ eingegangen worden ist, hatte ich am 06.03.20 nochmals nachgefragt:

„Ich stimme sehr wohl mit Ihnen überein, dass Herkunftsnachweise von Objekten notwendig sind. Bevor ich meinen Brief vom 23.02.2020 an Sie schickte, war ich gezielt nur wegen einer Analyse der von Ihnen verwendeten Typen von Herkunftsnachweise in Ihrer Ausstellung. Aus diesem Grund konnte ich bewusst feststellen, dass das Modell zum Atomreaktor das einzige Exponat der gesamten Ausstellung des FUTURIUMs ist, das auf einer "Schenkung" beruht. Da der Schenker bewusst oder unbewusst sich damit eine Werbefläche für seine Firma in einer öffentlichen Ausstellung erworben hat, wiederhole ich nochmals "Hiermit bitte ich Sie, u.a. auch aus Transparenzgründen, diese Firmen- Werbung aus der Ausstellung zu entfernen." und betone, dass diese Forderung sich dabei auf die Entfernung des Modells und nicht etwa, wie Sie vermuteten, nur auf die Entfernung des Herkunftsnachweises bezog.“

Auch in der abschließenden Antwort vom 11.06.20 hat sich das FUTURIUM um eine Erklärung gewunden, ob

  • noch weitere Modelle im FUTURIUM auf Schenkungen beruhen und wenn ja
  • warum diese anderen Modelle im Herkunftsnachweis nicht mit „Schenkung“ gekennzeichnet worden sind

Hiermit bitte ich

  • das Bundesministerium für Bildung und Forschung als federführenden Gesellschafter des Hauses der Zukunft / FUTURIUMs, diese Problematik auf einer Gesellschafterversammlung zu thematisieren
  • Politiker und Journalisten diesen Klärungsprozess kritisch zu begleiten
  • und das Öko-Institut um eine Stellungnahme.

 

SW.

Reaktormodell.jpgBitte vergrößern Sie die rot markierte Fläche.

„Flüssigsalzreaktor, Typ LFTR (Liquid Fluoride Thorium Reactor) basiert auf Thorium als Brennstoff.
Schenkung / Donation, Flibe Energy Inc. 2018

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